Politische Risiken steigen mit den Preisen für Nahrungsmittel

Für besonderes Aufsehen sorgten die international gestiegenen Nahrungsmittelpreise. Insbesondere für Asien ist die Preisentwicklung von Reis schmerzlich. Erstmals wurde für eine Tonne Thai-B-Reis mehr als 1000 US Dollar bezahlt. Reis ist das Grundnahrungsmittel für ca. die Hälfte der Weltbevölkerung. Auf Jahressicht hat sich der Preis für Reis verdoppelt, was vor allem die Bevölkerung in den Entwicklungs- und Schwellenländern trifft. Hintergrund der Teuerung ist allerdings nicht eine schlechte Ernte wie häufig in der Vergangenheit. Insgesamt ist nicht nur die Nachfrage nach Reis in den letzten Jahren gestiegen. Auch Weizen, Soja und Mais sind auf Rekordniveau. Die Entwicklung in den Schwellenländern hat dazu geführt, dass die dortige Bevölkerung vermehrt Wert auf eine bessere Ernährung legt, was zu einer höheren Nachfrage führte. Zusätzlich zu den geänderten Ernährungsgewohnheiten – Verbraucher in China und Indien greifen inzwischen öfter zu Fleisch – ist die Weltbevölkerung stetig gewachsen. Gleichzeitig ist der Ernteertrag durch den Anbau von Bioprodukten erheblich zurückgegangen. Derzeit benötigt man bei dem Wechsel zum biologischen Anbau ca. 2,5 Mal so viel Land für den gleichen Ertrag wie beim konventionellen Anbau.
Da es nicht genug Anbauflächen gibt, um die Weltbevölkerung zu ernähren, verschärft die Nutzung von Anbauflächen für erneuerbare Energien die Situation. Pläne wie die der US Regierung, kurzfristig 30 Prozent des Ölbedarfs durch Ethanol zu ersetzen, führten zu einer Preisexplosion bei Mais. In Europa sind in ähnlicher Weise die Anbauflächen für Weizen und Raps betroffen. Die politischen Risiken nehmen in verschiedenen Regionen mittlerweile erheblich zu. In zahlreichen Ländern ist es bereits wegen der teueren Nahrung zu Gewalt, Demonstrationen und Plünderungen gekommen. Die Weltbank nennt bisher 33 Staaten, in denen wegen der Nahrungsmittelpreise soziale Unruhen drohen. In Indien sind erste Unruhen zu verzeichnen, was Aktienanlegern in dieser Region zu denken geben sollte. Auch die Anleger und Anhänger von erneuerbaren Energien werden sich zukünftig nicht mehr so ohne Weiteres über ihr reines Gewissen freuen können. Die derzeit geführte Diskussion wird so manchen Anleger in nachhaltigen Anlagen seine Position neu überdenken lassen und auch der ein oder andere Anleger in den Schwellenländern sollte sich Fragen wie sicher sein Investment in diesen Regionen ist.

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